Unbequem aber notwendig: Die Kraft transparenter Kommunikation – Myriam Landtwing, Senior Interim Manager
Heute Morgen im Büro höre ich eine Kollegin am Nebentisch sagen: «Ich kann es immer noch nicht fassen, die Bewerberin hat sich einfach nicht mehr gemeldet!». «Was ist passiert?» frage ich. Meine Kollegin, die im Recruiting-Team arbeitet, erzählt, dass sie mit einer vielversprechenden Bewerberin ein Vorstellungsgespräch vereinbart hatte. Am Morgen des entsprechenden Tages hat sich die Bewerberin per Telefon gemeldet. Sie sei krank geworden und könne leider nicht zum Gespräch kommen. Meine Kollegin hatte ihr darauf gute Besserung gewünscht und sie gebeten, sich für einen neuen Termin zu melden, wenn sie wieder gesund sei. «Klar, Sie hören von mir!» hatte die Bewerberin gesagt.
Das war nun vier Wochen her. Zweimal hatte meine Kollegin in der Zwischenzeit erfolglos versucht die Bewerberin zu erreichen. Und auch eine freundliche E-Mail mit der Nachfrage, ob noch Interesse an der Stelle bestehe, blieb unbeantwortet. Ich verstehe den Frust meiner Kollegin. Sie hatte zu Beginn ein sehr gutes Gefühl bei der Bewerberin. Der Absagegrund für den Vorstellungstermin erschien plausibel, kein Grund dies zu hinterfragen. Und dann kommt einfach nichts mehr. Es scheint, als wäre selbst die Beantwortung eines Mails zu viel verlangt. Kurz fragt man sich wohl noch, ob etwas passiert ist. Aber sind wir mal ehrlich, das moderne «Ghosting» ist heutzutage sehr viel wahrscheinlicher als ein plötzlicher Unfall, der jegliche Kommunikation verhindert.
Ich frage mich: Empfindet man es zu anstrengend den Hörer in die Hand zu nehmen und offen zu kommunizieren, wo man steht, oder handelt es sich hier um reine Gleichgültigkeit, nach dem Motto «aus den Augen aus dem Sinn»? Ich erinnere mich daran, dass ich kürzlich selbst in so einer Situation war. Ich hatte eine kleine Anzeige gepostet, da ich nach einer Person suchte, die Lust hat ab und zu mit meinem Hund spazieren zu gehen. Eine Frau, die selbst gerne einen Hund hätte, aber aus verschiedenen Gründen keinen halten kann, hatte sich bei mir gemeldet. Wir verabredeten uns für einen gemeinsamen Spaziergang. Die Frau im mittleren Alter war sympathisch, einige ihrer Aussagen machten mich aber stutzig. Mein Bauchgefühl war nicht gut, ich wollte das aber noch etwas setzen lassen. Beim Abschied sagte ich daher zu ihr, dass wir am besten beide ein, zwei Nächte darüber schlafen und uns dann Feedback geben. Zwei Tage später kam ihre Nachricht: Sie meinte, sie würde gerne gleich in der Folgewoche mit den Spaziergängen starten. Ich hatte nach wie vor kein gutes Gefühl dabei, ihr meinen Hund anzuvertrauen und sie in mein Haus zu lassen, während ich nicht zuhause war. Es gab keine eindeutige «Red flag», nur meine innere Stimme, die sagte: «Das Vertrauen ist nicht da.»
Ich überlegte, wie ich ihr antworten sollte. Ich wollte sie nicht vor den Kopf stossen oder sie verletzen und es tat mir leid, dass ich ihr die Hoffnung nehmen musste, nun regelmässig mit einem Hund spazieren gehen zu können. Ich muss zugeben, auch für mich wäre es in dem Moment der einfachste Weg gewesen, einfach nicht zu antworten. Für die Frau wäre es aber wahrscheinlich mindestens so eine Enttäuschung gewesen, wenn sie einfach nichts mehr von mir gehört hätte und für mich – ein Armutszeugnis!
Also rief ich sie an, bedankte mich für ihr Interesse und die Zeit, die sie sich genommen hatte und erklärte, dass es für mich ein grosser Schritt sei, meinen Hund jemandem anzuvertrauen. Und dafür muss mein Bauchgefühl zu 100% stimmen, was leider nicht der Fall war. Ich wolle mir daher noch mehr Zeit lassen, die richtige Lösung zu finden. Die Frau bedankte sich für die ehrlichen Worte und meinte zum Schluss: Falls ich es mir anders überlege, könne ich sie jederzeit kontaktieren. Ihre Reaktion freute mich, weil ich spürte, meine ehrliche Kommunikation kam gut an und so konnten wir beide mit einem guten Gefühl weiterziehen. Ich vermute, auch die Bewerberin meiner Kollegin hätte heute ein besseres Gefühl, wenn sie die E-Mail ehrlich beantwortet oder den Anruf entgegen genommen hätte.
Die Situation zeigt: Transparente Kommunikation ist kein «Nice-to-have». Sie ist ein Zeichen von Haltung. Und genau diese Haltung braucht es nicht nur im Privaten – sondern erst recht im beruflichen Kontext. Denn was im Privaten «nur» eine verpasste Chance wäre, kann im Unternehmen teuer werden. Unklare Kommunikation führt zu Fehlentscheidungen, Unsicherheit im Team und Vertrauensverlust.
Als Interim Manager sind wir von HR Unlimited häufig genau dann im Einsatz, wenn Klarheit fehlt. Wir werden oft geholt, wenn Themen nicht klar adressiert wurden oder Entscheidungen zu lange aufgeschoben wurden. Unsere Aufgabe ist es dann nicht nur, Prozesse zu stabilisieren – sondern auch Dinge offen anzusprechen. Klar, direkt, lösungsorientiert. Darin sehen wir unsere Stärke und unseren Mehrwert.
Haben Sie aktuell eine Herausforderung in Ihrer HR-Abteilung? Dann zögern Sie nicht auf mich und meine Kolleg/innen von HR Unlimited zuzukommen. Sehr gerne unterstützen wir Sie als ehrliche Sparringpartner auf Zeit.
HR Unlimited AG ist ein inhabergeführtes und auf Interim Management spezialisiertes Unternehmen mit Sitz in Glattpark Opfikon, Schweiz, und bietet seit 2002 Interim Einsätze im In- und Ausland an. HR Unlimited AG ist Andreas Biel, Tanja Biel, Andreas Gnepf, Gramoz Lekaj, Benjamin Roth, Kadir Kirmizitas, Natalia Minnig, Fabio Feller und Myriam Landtwing und ein grosser, qualifizierter Pool mit uns persönlich vertrauten Interim Managern.
